Foie gras ist eine Speise, die hauptsächlich in der Westschweiz und in geringerem Masse im Tessin konsumiert wird. Die Mehrheit der Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer konsumiert es nicht, in der Regel weil es sich um ein Produkt handelt, dessen Herstellung die Misshandlung von Tieren erfordert. Es handelt sich nicht um eine Frage des Geschmacks, die durch regionale Essgewohnheiten geprägt ist, sondern um eine ethische Frage.
Gehört Foie gras tatsächlich zur welschen Tradition, wie oft behauptet wird?
Dieses Produkt wurde in der Schweiz nie anders als in sehr kleinen Mengen hergestellt und gehört auch nicht zu den 400 im kulinarischen Erbe der Schweiz aufgeführten Produkten. Unsere Gesetzgebung verbietet das Stopfen seit über 40 Jahren, da es mit Gewalt gegenüber den Tieren verbunden ist.
Was die Importmengen von Foie gras gemäss den Statistiken der Eidgenössischen Zollverwaltung betrifft, stellen diese Zahlen die Grundlage dieser kulturellen Tradition in Frage.
Vor den 1990er-Jahren lagen die jährlichen Importe unter 100 Tonnen. Erst die Industrialisierung der Foie-gras-Produktion in Frankreich – insbesondere aufgrund grosser Maisüberschüsse – führte zu steigenden Exporten in die Schweiz, wobei die Mengen ab den 2000er-Jahren 200 Tonnen überstiegen.
Nach einem Höchststand von nahezu 300 Tonnen in den 2010er-Jahren gingen die Mengen in den 2020er-Jahren wieder auf rund 200 Tonnen zurück, bedingt durch Produktionsprobleme infolge der Vogelgrippe, die regelmässig zahlreiche Betriebe betrifft.
Dass ein Teil der Romands Foie gras trotz der den Tieren zugefügten schweren Leiden gerne konsumiert, ist unbestritten. Dennoch lässt sich dieses Produkt nicht einer «welschen Tradition» zuordnen, unabhängig davon, welchen Geschmack man ihm zuschreibt.


